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Der Preis von Bern

Ein Vortrag zur Verleihung des Berner Kunstpreises an Haus am Gern, Kunstmuseum Bern, 2003.

Sie haben sich sicher alle die Frage gestellt, wie es denn möglich war, dass zwei Künstler aus Biel den Berner Kunstpreis erhalten haben.



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Haus am Gern ist ein Unternehmen nach allen Regeln der Kunst.



In der nächsten Viertelstunde, werden wir versuchen, uns möglichen Antworten auf diese Frage zu nähern. Rudolf Steiner und Barbara Meyer Cesta haben den Preis für ihr gemeinsames Werk erhalten, welches sie zusammen mit ihrer jeweils eigenen Arbeit entwickeln. Dieses Werk umfasst unter anderen das Projekt NAJIB , dass letztes Jahr in der Berner Kunsthalle gezeigt wurde, weiterhin die Körperschaft der Young Responsible Artits, kurz YRA, sowie das jüngere Projekt Fallada, dass weite Teile des Kantons Bern in Aufregung und Empörung versetzt hat. Wir werden uns heute aber noch einer anderen Gemeinschaftsarbeit von Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner zuwenden: wir werden über Haus am Gern berichten.

Haus am Gern

Haus am Gern ist ein Unternehmen nach allen Regeln der Kunst und wurde vor vielen Jahren gegründet. Es befand sich zunächst in Roggwil Wynau, einem kleinen Ort bei Langenthal. Mir gefällt Roggwil Wynau und wenn sie einmal in die Nähe sind, sollten sie es sich unbedingt ansehen. Nachdem Wynau abgebrandt war, hat Haus am Gern ein neues Zuhause im ehemaligen Atelier des Malers Paul Robert in Biel gefunden. Wie werden zeigen, dass Haus am Gern und der Preis von Bern hier im Kunstmuseum Gern auf engste zusammenhängen und es wird klar werden, warum hier kein Zufall im Spiel war.Aber wir werden uns mit der Analyse nicht zufriedengeben.



Stempel
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Wir werden uns mit der Analyse nicht zufriedengeben.



Als Art Process Inspector von Haus am Gern war für uns vorallem die Synthese von Bedeutung. Der Kunst-schaffende aus Burgdorf oder Thun wird sich nämlich fragen, wie auch er oder sie eines Tages in den Genuss des Preises von Bern gelangen könnte, ohne deswegen in Bern leben zu müssen. Wir möchten diese Fragenden heute abend nicht mit leeren Händen entlassen und haben deshalb aus den vorgestellten Materialien 3 goldene Regeln extrahiert. 3 goldene Regeln für die Annäherung an den Preis von Bern.

Regel no. 1: Denke deinem Museum

Als ich mit meinen Recherchen über Haus am Gern begann, stiss ich sehr bald auf eine alte Korrespondenz aus dem Frühjahr 2001. Mir fiel ein rot-violetes Kuvert in die Hände, dass an mich adressiert war und das eine Rechnung von Haus am Gern enthielt.



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Museen, Galerien und Kritiker erhielten Rechnungen dafür, das Haus am Gern an sie gedacht hatte.



Da Haus am Gern ein Unternehmen darstellt, ist es selbstverständlich dass Haus am Gern auch Rechnungen verschickt. So hatte Haus am Gern 123 Rechnungen an kulturelle Institutionen und Persönlichkeiten verschickt. Museen, Galerien und Kritiker erhielten Rechnungen dafür, das Haus am Gern an sie gedacht hatte. Der Tarif für das Denken ist auf 120 CHF pro Stunde festgelegt, die meisten Rechnungen betrugen 20 bis 30 CHF. Für nicht fristgerecht bezahlte Rechnungen wurden Mahnungen verschickt. Der Art Process Inspektor von Haus am Gern stand für Fragen und Reklamationen zur Verfügung. Beispielsweise erhielt ich eine telephonische Beschwerde von einem kleineren Museum, welches die Rechnung für das Denken nicht bezahlt hatte. Haus am Gern solle aufhören Mahnungen zu verschicken, weil die Leute auf der Post erzählen, dass das Museum seine Rechnungen nicht bezahle und das gäbe Gerede in der Stadt. Durch den Erlös aus dem Denken konnte Haus am Gern dann einen nammhaften Kunstkritiker dafür bezahlen, dass er in einer ebenso nammhaften Kunstzeitschrift einen Verriss über Haus am Gern veröffentlicht. Durch diesen Verriss ist die Arbeit Denken dann so bekannt geworden, dass Haus am Gern in einer weiteren Ausgabe derselben Kunstzeitschrift die Arbeit Denken zum Verkauf ausgeschrieben hat. Mit dem Erlös aus dem Ankauf konnten dann wieder weitere Projekte finanziert werden, zum Beispiel das Musikensemble von Haus am Gern, das Haus am Gern Worship Or- chestra.Hiermit kommen wir auch schon zur ersten goldenen Regel auf dem Weg nach Bern.

Regel no1: Denke deinem Museum

Bevor wir gleich zur 2 goldenen Regel kommen, hören wir uns zur Abwechslung kurz einen Ausschnitt aus einem Konzert von Haus am Gern Worship Orchestra an.



Worship
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Mit dem Erlös aus dem Ankauf konnten dann wieder weitere Projekte finanziert werden, zum Beispiel das Musikensemble von Haus am Gern, das Haus am Gern Worship Or- chestra.



Das Denken an dein Museum ist notwendig aber nicht hin reichend für einen Preis. Deswegen ist Haus am Gern noch einen Schritt weiter gegangen: In dem Projekt Fontaine - zu Deutsch Brunnen - hat Haus am Gern mit dem Centre Pasquart in Biel einen Sponsoring Vertrag abgeschlossen. Im Rahmen dieses Vertrags sponsort Haus am Gern dem Bieler Musuem einen Wasserspender der Marke Mistral für die Dauer eines Jahres. Aus diesem Wasserspender ertönt ein altes französisches Volkslied, welches uns aus der Zeit der Troubadoure überliefert ist:



Fontaine
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Der klingende Wasserspender mit der kostenlosen Erfrischung wurde bei den Besuchern so beliebt, dass die Museumscafeteria erhebliche Betriebseinbussen erlitt.



A la claire fontaine : am klaren Brunnen. Mit dieser Sponsoringaktion sollte der Empfang der Musuemsbesucher und damit das Ansehen des Museums gefördert werden. Diese Akion war ein grosser Erfolg. Allerdings gab es auch Probleme. Der klingende Wasserspender mit der kostenlosen Erfrischung wurde bei den Besuchern so beliebt, dass die Museumscafeteria erhebliche Betriebseinbussen erlitt. Die Fontaine wurde daraufhin aus dem Umfeld der Cafeteria entfernt und im Untergeschoss des Centre Pasquart neu aufgebaut. Hier kommen wir bereits zur zweiten goldenen Regel.

Regel no2: Fördere dein Museum

Um diese Regel besser zu verstehen zeigen wir einige locker zusammengestellte Impressionen von einem Routinebesuch bei Haus am Gern im Untergeschoss des Centre Pasquart in Biel:



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im Untergeschoss des Centre Pasquart in Biel (Videostill).



Damit sind wir auch schon bei der dritten und letzten goldenen Regel angelangt:

Regel no3: Fördere dein Denken

Zu diesem Zweck wurde der Verlag Haus am Gern gegründet. Haus am Gern verlegt Künstler und AutorInnen wie z.B den Berner Schriftsteller Franz Dodel. Franz Dodel arbeitet zur Zeit an einem Werk welches er nie beenden wird, dem Never-ending Haiku. Haus am Gern hat dieser Arbeit einen Raum geschaffen, und in diesem Raum eine Klarheit geschaffen, in der 23 Personen 8 Stunden lang abwechselnd den Never ending Haiku von Franz Dodel gelesen haben.



Lesung
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Franz Dodel arbeitet zur Zeit an einem Werk welches er nie beenden wird, dem Never-ending Haiku (Videostill).



Die Neue Zürcher Zeitung berichtet über diesen Anlass in ihrer Ausgabe vom 9 Au-gust 2003 unter dem Titel im Netzwerk der Wege:

"Mit seiner Idee begibt sich Franz Dodel in illustre Gesellschaft. Denn obschon Haiku von jeher auf das Miniature festgeschrieben ist, existiert eine beinahe ebenso lange Tradition des japanischen Kettengedichts, der es um die kunstvolle Verknüpfung solcher Kleinststrophen zu tun ist. Doch auch wenn Formen wie Renga, Renshi oder Renku dem Autor Dodel als Vorbilder die-nen mögen: Sein Never-ending Haiku zielt durchaus in eine eigene Richtung. In sei-nem mittlerweile auf 5000 Verse angewachsenen Langtext, an dem er nach Möglichkeit täglich arbeitet, begnügt er sich mit einigen wenigen formalen Vorgaben. Dodel spricht sich etwa gegen synthaktische Verstümmelungen, dafür umso stärker für ironische Volten aus und verpflichtet das Ge-dicht zu regelmässigen Reverenzen an Prousts "à la recherche du temps perdu". Was in diesem locker geknüpften Korsett ensteht, ist ein weitläufiges Mäandern zwischen Sein und Werden, Erinnerung und Sprache, Meditation und Gedanken über das Ich."

Synthese

Nach diesem Blick auf die 8 Stunden Lesung von Franz Dodels Never-ending haiku zu Gast bei Haus am Gern fasse ich unsere Synthese noch einmal zusammen:

Wir denken dass alle Kandidaten im Wettbewerb um den grossen Preis von Bern diese Regeln beherzigen sollten. Wenn auch das nichts nützt, dann haben wir hier noch einen Geheimtip. Als sie vorher die obere Treppenhalle durchquert haben, werden sie sich sicher gefragt haben, was denn dieser Schinken in der Nische des Hauptsponsors Gottlieb Hebler bedeutet. Dieser Schinken ist ein Geschenk der Preisträger an die Stiftung "Kunst Heute", Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner schenken diesen Schinken dem Stiftungsrat zum Verzehr.

Guten Appetit.



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Wir denken, dass alle Kandidaten im Wettbewerb um den grossen Preis von Bern diese Regeln beherzigen sollten (Videostill).



© Peter Vittali, 2006