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Longing for Paradise

Longing for Paradise, Kaskadenkondensator, Basel 2006

Longing for Paradise

Gestern Abend erhielt ich einen Anruf des Kaskadenkondensators, worüber ich mich sehr gefreut habe. Ich wurde gefragt, ob ich eine Rolle im Projekt Longing for Paradise übernehmen möchte. Ich konnte wählen zwischen der Rolle des Beobachters und der des Orakels. Ich entschied mich spontan für die Beobachter-Rolle. Nachdem ich den Hörer aufgelegt hatte, fragt ich mich warum Beobachter und nicht Orakel. Worin unterscheidet sich das Orakeln vom Beobachten. Was leistet das eine, was das andere nicht leisten kann.

Ich dachte zunächst an Permutationen von Vokalen:



Stehen
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Ich entschied mich spontan für die Beobachter-Rolle.


Organplus

Aber genug mit dem Rätseln. Um meine Aufgaben als Beobachter besser zu verstehen, las ich zunächst das Konzeptpapier zum Projekt. Es lautet:

Die dritte Folge von Organplus bestreitet das Kasko-Team mit dem Projekt Longing for Paradise - Entwürfe für den idealen Kunstort selber. Aus ihrem stetigen Streben nach lustbestimmten Organisationsformen und Arbeitsweisen sowie einem beglückenden Ertrag für angemessenen Aufwand, interessieren sich die Organisatorinnen für den Idealzustand und für utopische Modelle. Das Kasko-Team hält Hof und lädt ein zur Debatte: Wie sieht ein utopischer Ort für Kunst aus und wie lässt er sich als ein paradiesischer Ort organisieren? Das Kasko-Team hat Künstlerinnen und Künstler eingeladen, dieser Frage nachzugehen und utopische Modelle oder Organigramme solcher Paradiese zu entwerfen. In einem zweitägigen Symposium werden die Modelle erläutert und besprochen, sowie abschliessend von einem Orakel und einem Beobachter ausgelegt.

Gesucht ist also der ideale Kunstort, der beglückenden Ertrag für angemessenen Aufwand verspricht.

Kunst
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Selbst ist die Kunst, herausgegeben vom Kaskadenkondensator 2004, edition fink.


Selbst ist die Kunst

Was gibt es beglückenderes und ertragreicheres als ein Projekt fortzuführen, das bereits in verdichteter und gebündelter Form vorliegt. Zum Beispiel dieses Buch hier, mit dem Titel "Selbst ist die Kunst" herausgegeben 2004 vom Kaskadenkondensators anlässlich seines 10 jährigen Bestehens. Das Buch enthält Texte und Gespräche von Menschen, die sich für Kunst und deren Organisation interessieren.

Die Organisation von Gedanken ist eine Art Kristallisation. Neue Gedanken wachsen um alte Gedanken herum. Die Kristallisation ist ein langsamer Vorgang von paradisiescher Ruhe. Longing for Paradise bedeutet "Langsam fürs Paradies".

Hobbyeske Verschwendungen

In seinem Aufsatz "Hobbyeske Verschwendungen - vom Glück zu verschenken führt Hans-Christian Dany den Begriff des Hobbys in der Kunst ein. Für ihn hat das Hobby ein grosses Potential. Hobby ist für ihn etwas, das aus Liebe zur Sache getan wird, etwas das auch nach Wegfall der Bezahlung noch getan wird.

Hobbyesk
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... Wenn der Energieüberschuss nicht mehr für Wachstum verwendet werden kann, muss er verschenkt werden.


Dany zitiert einen Text von Georges Bataille. Die Aufhebung der Ökonomie. Bataille geht davon aus, dass auf der Erde mehr Energie zur Verfügung steht, als zur Erhaltung des Wachstums notwendig ist. Wenn der Energieüberschuss nicht mehr für Wachstum verwendet werden kann, muss er verschenkt werden. Durch das Geschenk ensteht eine andere Form des Erwerbs. Der Schenkende bereichert sich um die Verachtung des Reichtums und er hütet jetzt die Freigiebigkeit als neuen Besitz.

Warum denn spielen ?

In ihrem Artikel "Warum denn Spielen - ist die Angelegenheit nicht viel zu Ernst ?" berichtet Chris Regn unter anderem über das Galeriespiel. Das Galeriespiel wurde vom Kasko 1999 entwickelt. In diesem Projekt wurden Faktoren durchgespielt, die aus der Sicht der Autorinnen im Kunstbetrieb von Bedeutung sind: Liebe, Geld und Abenteuer. In einem Vernissage-Marathon wurden sieben Vernissagen in acht Stunden gefeiert.

Tiere
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Ausstellung mit Ralph Hauswirth, anneé marié léon sutter, Beatrice Maritz, Petr Michalek, Christiane Oppermann, Marianne Rinderknecht und Anita Zimmermann, Markus Schwander, Bruno Steiner, Sibylle Völkin und Petitprince. Performances von Iris Beatrice Baumann und MIRZLEKID (Hansjörg Köfler) Paradiesische Häppchen von Samuel Herzog.


Hier wird der ideale Kunstort durch Simulation gesucht. Anhand eines Simulationsmodells lassen sich komplexe Prozesse beschleunigt und vergleichsweise kostengünstig durchlaufen. Die Methode der Simulation wird in vielen Branchen und Industrien verwendet, zum Beispiel in der Automobilindustrie. AUOOIIUI je. Die ihr zugrunde liegende Ökonomie ist nicht die des Verschwendens sondern des Sparens.

attidudes (Genf)

Unten
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... Ich denke, es ist eine Art zu leben und ich finde es beglückend und verbunden mit endloser Erfindung.


Katrin Krögel fragt in verschiedenen Kunsträumen nach Utopien, Wünschen und Visionen. Olivier Kaeser vom Raum attitudes in Genf antwortet:

"Jeden Morgen höre ich in den Nachrichten, dass jemand ermordet wurde, dass Katastrophen passiert sind. Also was kann ich mit meinem Leben tun. Ich könnte es einer unabhängigen Organisation widmen, und das wäre nützlich. Oder ich wähle einen anderen Weg, hin zu Imagination und Reflektion. Kunst ist für mich ein unerlässlicher Weg geworden, um durch das Leben zu gehen. Ich denke, es ist eine Art zu leben und ich finde es beglückend und verbunden mit endloser Erfindung. Und schliesslich ist da die Hoffnung, dass dieser Reichtum auf andere Menschen übertragen werden kann." © edition fink

Raum K3 (Zürich)


Haus
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... Ich halte das Leben für gut genutzt, wenn ich mich auf sehr bewusste Art verbrauchen kann.


In den selben Artikel antwortet Sandi Paucic vom Raum K3 in Zürich auf Krögels Frage nach seiner Lebensutopie:

"In einem existenzialistischen Sinne sehe ich meine Tätigkeit unter dem Vorzeichen eines gestalteten Lebens: Ich halte das Leben für gut genutzt, wenn ich mich auf sehr bewusste Art verbrauchen kann. Das bedeutet für mich persönlich, die Kunst durch den Einsatz meiner Energie zu erforschen, mitzuformen und mich dabei allmählich zu verbrauchen". © edition fink

Hefe und Hof

Eine Hefe, die gerade mal die ersten Blasen wirft, was ist der Kaskadenkondensator und für wen ? Ein Gespräch mit Eva Bächtold, Pascale Grau, Samuel Herzog, Andrea Saemann und Martina Siegwolf.

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Was ist der Kaskadenkondensator und für wen ?


Samuel Herzog: Ist denn ein Kunstraum wie der Kaskadenkondensator eher so etwas wie ein grosser Hof, der von einer weitläufigen Familie bewirtschaft wird ?


Pascale Grau: Ein Stall !


Andrea Saemann: Toll ist es, wenn Es dabei Bilder an der Wand hat. © edition fink

Handorakel

Was gibt es beglückenderes und ertragreicheres als eine Arbeit fortzuführen, die bereits in verdichteter und gebündelter Form vorliegt. Zum Beispiel dieses Buch hier, mit dem Titel "Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit" von Baltasar Gracian, einem spanischen Jesuiten aus dem 17 Jhd. Als heroischer Nörgler wirft er einen illusionslosen Blick auf die Gesellschaft.

Orakel
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Handorakel der Weltklugheit von Baltasar Gracián.


"Im Himmel ist alles Wonne, in der Hölle Alles Jammer, in der Welt, als dem Mittleren, das Eine und das Andere. Wir stehn zwischen zwei Extremen, und sind daher beider teilhaft. Das Schicksal wechselt: Alles soll nicht Glück, noch Alles Missglück seyn. Diese Welt ist eine Null: für sich allein gilt sie nichts, aber mit dem Himmel in Verbindung gesetzt, viel. Gleichmuth bei ihrem Wechsel ist vernünftig, und Neuheit ist nicht die Sache des Weisen. Unser Leben verwickelt sich in seinem Fortgang, wie ein Schauspiel, und entwickelt sich zuletzt wieder: daher sei man auf das gute Ende bedacht." © Aufbau-Verlag


© Peter Vittali, 2006